Erfahrungen aus 7 Jahren Nextcloud am Heimserver
Ein Erfahrungsbericht welche Herausforderungen ich mit meinem Storage Setup die letzten 7 Jahre so hatte und welche Erfahrungen ich dadurch gesammelt habe.
Im Dezember 2018 habe ich mir in Vorbereitung auf mein 6 monatiges Auslandssemester zuhause einen Server aufgesetzt. Im Jänner 2026 habe ich einen grundlegenden Umbau durchgeführt. Zeit für einen Rückblick. Dazu nehme ich mir den Digital Independence Day des CCC zum Anlass welcher dazu animieren soll auf unabhängige Alternativen zu den großen Techriesen zu wechseln.
Ich schreibe diesen Post hauptsächlich weil ich damals, als ich begonnen habe, kaum Informationen zu komplexeren Storage Setups für den Heimgebrauch gefunden habe und hoffe, dass dieser Erfahrungsbericht vielleicht etwas bei der Entscheidungsfindung hilft.
Fragile Anfänge
Es ist 2018. Das Auslandssemester steht bevor. Große Datenmengen an Fotos sind zu erwarten. Bisher hab ich es immer so gemacht, dass ich die Daten zuhause auf große Festplatten im Standrechner gespielt habe. Den Standrechner wollte ich dann aber doch nicht mitnehmen. Mehr als den Laptop spielt es nicht. 2018 war aber auch ein Jahr in dem (leistbare) externe SSDs gerade mal 256GB hatten. Wie soll man also 6 Monate Fotos auf dem Laptop handhaben?
Die Lösung? Eine eigene Cloud. Der Server zuhause läuft immer und aus Finnland wird dann übers Internet synchronisiert.
Natürlich kann man sich auch einfach bei Google oder Dropbox einen Cloudspeicher mieten und monatlich bezahlen. Nur war für mich bereits absehbar, dass schnell mehrere Terabytes zusammenkommen würden. Bei einem solchen Umfang zahlt man dann schnell mal zwischen 30 und 50€ je Anbieter (Preise von 2026, ich glaube 2018 war das noch mehr), also 360 bis 600€ im Jahr. Eine Summe bei der sich eigene Hardware schon rechnen kann, denn zudem hat man:
- Volle Souveränität über die Daten.
- Hat man aus Gründen gerade keine Zeit sich um den Server zu kümmern kann man ihn einfach abschalten, aber die Daten bleiben bestehen. Dann fallen keine laufenden Kosten an.
- Man kann den Server auch nutzen um weitere Services zu hosten.
- Hohe Bandbreite: Dadurch dass der Server im selben Netzwerk steht ist zumindest theoretisch ein Datenaustausch schnell möglich. Das ist vor allem praktisch wenn man beim Foto sortieren und bearbeiten einen Ordner nach dem anderen bearbeiten will, oder schnell die Fotos durchsuchen.
Begonnen habe ich mit Nextcloud und einem VPN. Alles in Docker Containern. Für die Verwaltung habe ich damals bereits Portainer verwendet. Als Reverse Proxy, also einem Server der z.b. cloud.example.com und vpn.example.com auf die richtigen Services auflöst und anfragen weiterleitet, kam nginx zum Einsatz. Zertifikate von Let's Encrypt.
Auch der Hardwareteil ist interessant. Zum Einsatz kommen sollte ein RAID, also ein Festplattenverbund, für die Ausfallsicherheit. Es sollte ein Software RAID sein. Manche Mainboards können Hardware RAIDS, allerdings hat man dann das Problem, dass die Daten weg sind sollte mal das Mainboard den Geist aufgeben. Die vermeintliche Ausfallsicherheit ist also nicht garantiert.
Als Dateisystem kommt also ZFS zum Einsatz. Ein Dateisystem welches aus der BSD Welt kommt, sich aber auch für Linux mehr oder weniger zu einem Standard für Heimserver beziehungsweise NAS entwickelt hat. Im ZRAID-2 Modus können bis zu 2 Festplatten ausfallen ohne Datenverlust. Das ist wichtig, wenn man das RAID nach dem Ausfall einer Festplatte wiederherstellt und währenddessen auch Sicherheit haben will. Aus Gründen wollte ich auch eine Festplattenverschlüsselung haben. Das ist gar nicht so einfach. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden die Platten jeweils einzeln mit LUKS zu verschlüsseln und dann ZFS auf den verschlüsselten Devices zu machen. Warum ich mich genau dafür entschieden habe weiß ich nicht mehr. Es hat jedenfalls gut funktioniert bis jetzt.
Als Betriebssystem kam CentOS zum Einsatz. Ja DAS CentOS. Das wird später nochmal wichtig.
Das System hat die Bewährungsprobe so einigermaßen bestanden. Aufgrund von Klausuren musste ich aus Finnland nochmal für eine Woche nach Österreich fliegen. In dieser Zeit, kann ich mich erinnern, hab ich auch den Server noch mal hergerichtet.
Die Performance war nicht großartig, aber akzeptabel. Der Sync hat funktioniert. Auch OpenVPN hat funktioniert. Nur der Webview von Nextcloud hat nicht wirklich gut funktioniert. Mit den großen Datenmengen und vor allem vielen Vorschaubildern konnte und kann Nextcloud immer noch nicht gut umgehen.
Evolution
Irgendwann im Jahr 2020 habe ich dann Traefik als Reverse Proxy für mich entdeckt. Die Konfiguration war sehr leicht und es hat genau auf mein Setup mit Docker Compose files gepasst. Nach kurzer Zeit war alles umgestellt und ich habe damals sogar einen Blogpost darüber verfasst.
Insgesamt hat sich aber über die Zeit wenig getan. Nextcloud lief (relativ) imperformant aber zuverlässig. Später sollte ich bei der Nutzung von OneDrive lernen, mein Nextcloud war gar nicht sooo imperformant, es gibt nur sehr unterschiedliche Vorstellungen dessen was ich als performant empfinde und was ein Cloudsystem liefern kann.
The Big Migration
Ich habe ja Eingangs beschrieben, dass ich mich für CentOS entschieden habe. Als Fedora Nutzer war die Entsheidung relativ klar. CentOS war schon seit Jahren etabliert. Im Dezember 2020, also 2 Jahre nachdem ich mit meinem Server begonnen hatte, hat RedHat angekündigt CentOS durch CentOS Stream zu ersetzen und damit das OS zu einem Rolling Release Modell zu ändern.
Ein Grund für CentOS war der ewig lange Support. Nun mit der Ankündigung von CentOS Stream wurde auch angekündigt, dass CentOS 8 ab Dezember 2021 keine Updates mehr bekommen würde (statt Dezember 2029). Tja. Und dann hat man einen Server aufgesetzt und muss plötzlich Betriebsystem wechseln.
Da mein Server nur ein Nebenprojekt ist und ich hauptsächlich unterwegs bin zum fotografieren musste ein Ersatz des OS lange warten. Irgendwann um den Jahreswechsel 2024/2025 habe ich es dann endlich geschafft und gleich eine neue 1 TB SSD gekauft, deren Preise ja mittlerweile im Keller waren. Aufgesetzt mit Rocky Linux verlief die Migration relativ Problemlos. Statt docker läuft nun podman und Nextcloud hat ein Upgrade von der letzten unter CentOS 8 unterstützten, das war wohl irgendwas um die 24, auf 31 bekommen, was einige Zeit in Anspruch nimmt, weil man jede Version dazwischen kurz starten muss. Und dieses "kurz" starten, kann schon mal einige Minuten in Anspruch nehmen wenn ein mehrere Terabyte großes Volume gemounted werden muss.
Hilfreich bei der Migration war sicherlich auch, dass ich die HDDs in ZFS über die Disk Id (WWN) referenziert hatte. So findet ZFS auch nach dem umstecken der Hardware sicher die richtigen Platten.
Der Reboot
Ich weiß nicht mehr warum genau, aber ich wollte den Server aus Sicherheitsgründen, nochmal "kurz" ausschalten und mich bei Gelegenheit darum kümmern letzte Updates einzuspielen und die Konfiguration anzupassen. Gelegenheit war dann irgendwann im August 2025, doch der Server bootete einfach nicht mehr. Als ich zum debuggen das Display anschließen wollte zeigte sich, dass das Mainboard nichteinmal ins BIOS startete. Um es kurz zu machen. Nach etlichen Monaten versuchen und Hardware umstecken hat sich gezeigt, dass die Grafikeinheit der CPU und/oder das Mainboard defekt waren. Mit neuem Mainboard und neuer CPU läuft der Server nun wieder problemlos.
Bei all der Bastelei hab ich mir auch gleich ein neues, ordentliches Gehäuse dazu gegönnt. Nach etlichen Jahren der Nutzung eines alten Servergehäuses mit fragwürdiger Herkunft und bei dem der Zustand den Einbau eines ATX Netzteils oder von Lüftern nur unter zuhilfenahme von Hilfsmitteln wie Kabelbindern möglich war, war das neue Gehäuse eine Wohltat. Endlich war der Server besser vor Staub geschützt und das Wohnzimmer aufgeräumter.
Nun habe ich Portainer auch gleich genutzt um nochmal neue Services wie Immich zu installieren und die Authentifizierung über SSO mit Authentik zu machen.
Portainer erlaubt eine einfache grafische Übersicht über die aktuell laufenden Services.


Bildverwaltung in Immich erlaubt eine ähnliche Experience wie in Google Photos nur ohne seine Fotos dafür aus der Hand geben zu müssen.
Da ich persönlich schon einen vorsortierte Ordnerstruktur in Nextcloud habe ist Nextcloud für mich die Single Source of Truth. Immich erlaubt hier Nextcloud als "Externe Bibliothek" einzubinden und somit einfach den Nextcloud Ordner weiterhin zu nutzen. Bei rund 300 000 Fotos hat der Import zwar einige Tage gedauert. Die Nutzung von Immich für Recherchen in der Fotosammlung ist aber extrem Komfortabel. So kann nicht nur nach Datum oder Aufnahmeort (sofern vorhanden) gesucht werden, sondern auch nach "ähnlichen Bildern", Personen und mittels OCR findet Immich sogar alle Bilder mit "ÖBB" oder einem "Fahrschein" im Bild.





Nextcloud läuft mittlerweile übrigens recht gut und performant (wenn man es richtig einstellt) und ich bin ein großer Fan des Virtuellen Filesystem Modus unter Windows. Leider gibt es den unter Linux noch nicht.
Fazit
Ein Server zuhause gibt digitale Unabhängigkeit. Die Daten sind nicht verloren wenn man einmal ein Monat nicht mehr zahlt, man kann den Server ausschalten und irgendwann wieder einschalten. Es macht keinen Unterschied. Außerdem sind die Zugriffszeiten sehr schnell weil alles im lokalen Netz ist. Das kann für Foto- oder Filmbearbeitung den entscheidenden Unterschied machen.
Allerdings darf man nicht unterschätzen welches zeitliches Investment notwendig ist um so einen Server dauerhaft sicher zu betreiben. Updates müssen regelmäßig eingespielt werden und trotz sorgfältiger Softwareauswahl kann es sein, dass die gewählte Software nicht mehr weiter supported wird und eine Migration notwendig ist. Außerdem braucht es die notwendige Expertise für einen sicheren Betrieb. Gleichzeitig ist es aber auch eine Möglichkeit sich technisch mal so richtig auszutoben und viele neue Dinge zu entdecken, zu lernen und auszuprobieren.
Finanziell sind zwar die Ausgaben für Hardwarekosten relativ hoch, insbesondere da man ja auch noch ein Backup einrechnen muss (wofür bei mir ein gebrauchtes QNAP NAS zum einsatz kommt), rechnet man aber die monatlichen Ausgaben für gehostete Angebote gegen, dann ist man langfristig wohl ziemlich glei auf und hat den Vorteil, dass man nicht jedes Monat zahlen muss, weil sonst die Daten weg sind.
Für meinen Use Case passt es jedenfalls. Für Vereine oder ähnliches würde ich aber unbedingt empfehlen einen Hosting Provider zu wählen, der sich um alles kümmert.